Model verhungert

Am 15. Februar 2007 von Suse geschrieben.

Schon wieder ist ein junges Model verhungert. Beängstigend, dass es im “Reich der Schönen” normal ist, dem Körper grundlegendes zu verweigern, bis er keine Widerstandskraft mehr hat. Schlimm, dass diese jungen Frauen verhungerten, obwohl sie vermutlich eigentlich gesund waren und sich hätten satt essen können. Beunruhigend, dass viele junge Mädchen sich diese extraschlanken bis magersüchtigen Models als Vorbild nehmen und vielleicht ebenfalls in eine Essstörung hinein rutschen.Es mag schockieren, dass ich dabei auch immer wieder an eine merkwürdige Spaltung in unserer Gesellschaft denken muss. Auf der einen Seite werden wir im Durchschnitt aufgrund zu fettiger und zu süßer Nahrung immer dicker und so ist über viele Jahre das Schlankheitsideal als Gegenbild entstanden, dem insbesondere viele (junge) Frauen nachzueifern versuchen. “Schlank sein ist erstrebenswert und nur wer schlank ist, ist schön”, scheint da die Botschaft zu lauten.

Ich kenne nun (was hier in diesem Blog wohl nur wenige verwundern wird) eine Reihe von Menschen, die marfanbedingt sehr dünn bis stark untergewichtig sind. Meistens sind sie nicht besonders glücklich darüber, denn es erhöht nicht das Selbstbewusstsein und erschwert auch den Kleiderkauf, wenn man nicht nur sehr groß, sondern dabei auch sehr schlank ist. Etwas passendes zu finden, das einem sogar gefällt scheint da schon mindestens ein Fünfer im Lotto zu sein. Einen dieser sehr dünnen Menschen mit Marfan-Syndrom ziehe ich selber groß und obwohl er sich zu mästen versucht, kann er mit den untergewichtigen Models problemlos konkurrieren (Ich will nicht wissen, wie viele wohlmeinende Leute früher als er klein war dachten, ich sei eine Rabenmutter die dem armen Kind nichts zu essen gibt…). Merkwürdigerweise scheint es aber unter Kindern und Jugendlichen nach wie vor sehr beliebt zu sein, dünne Gleichaltrige mit ihrem Gewicht zu hänseln. “Bohnenstange” fand ich noch harmlos, “Skelett” hat mich persönlich da viel mehr getroffen.

Es scheint also so zu sein, dass nur das was schwer fällt erstrebenswert ist. Ist jemand normalgewichtig veranlagt, scheint jedes Gramm Fett zuviel zu sein (mitunter leider im wahrsten Sinne dieser Formulierung). Fällt es jemandem aufgrund seiner Konstitution schwer Fett und Muskeln anzusetzen, ist das Grund genug diesen Menschen zu hänseln. Ist doch verrückt, oder?

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