Bewerbung mit Behinderung: Praktikumsplatz gesucht!

Am 7. Dezember 2006 von Suse geschrieben.

Ausgangspunkt: Die Suche eines schwerbehinderten Jugendlichen mit Marfan-Syndrom nach einem Praktikumsplatz für ein Schülerpraktikum im nächsten Frühjahr. Bewerbungen schreiben ist also angesagt. Schwierigkeit Nummer 1: Unglücklicherweise scheinen die meisten Schulen ihre Schüler der entsprechenden Jahrgangsstufen ungefähr zur selben Zeit ihr Praktikum machen zu lassen. Wenn man also einen interessanten Praktikumsplatz haben will, darf man a) nicht zu lange mit der Bewerbung warten b) muss man sich da auch schon einem ganz schönen Wettbewerb stellen.

Schwierigkeit Nummer 2: Wer am Marfan-Syndrom erkrankt ist, für den sind die Möglichkeiten von vornherein ein bisschen eingeschränkt: Arbeiten, die mit dem Heben und Tragen größerer Lasten verbunden sind kommen z.B. gar nicht in Frage. Weitere Einschränkungen hängen auch davon ab, welche Organsysteme wie schwer betroffen sind. So kann eine starke Sehbehinderung das Spektrum der Möglichkeiten noch weiter einschränken – wobei hier heutzutage durch verschiedene Hilfsmittel einiges möglich ist. Grundsätzlich lässt sich aber wohl sagen, dass für Jugendliche mit Marfan eher sitzende Tätigkeiten und welche mit nur leichter körperlicher Arbeit in Frage kommen. Aber jetzt wird´s knifflig.

Schwierigkeit Nummer 3: Wie gehe ich mit meiner Behinderung in der Bewerbung um? Benennen oder Verschweigen? Ob berechtigt oder nicht (das lässt sich nun mal schwer nachprüfen): Viele befürchten, dass sie aufgrund ihrer Behinderung benachteiligt werden könnten und in den meisten Bewerbungsratgebern steht nichts oder nur sehr wenig zu diesem Thema.

Nach meinem derzeitigen Wissensstand ist es wohl so, dass man nicht von sich aus in der Bewerbung darauf hinweisen muss, wenn die Behinderung für die Tätigkeit für die man sich bewirbt keine Einschränkung bedeutet. Auf ausdrückliche Fragen nach einer Behinderung sollte man aber besser wahrheitsgemäß antworten.

Wenn nun aber die Behinderung sozusagen offensichtlich ist, sei es weil OPs und Reha-Maßnahmen die Schullaufbahn verlängert haben, eine Sonderschule besucht wird oder die allzu starken Brillengläser selbst auf dem Passfoto nicht zu übersehen sind, was dann? Vielleicht sollte man dann lieber offensiv vorgehen, kurz auf die Behinderung eingehen und erklären, warum sie die Leistungsfähigkeit für diese Tätigkeit nicht beeinträchtigt.

Aber ganz ehrlich: Bei jeder Absage frage ich mich, ob es an der Behinderung gelegen hat. Und dabei geht es für ihn bislang nur um ein kurzes und unbezahltes Schülerpraktikum….

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