Hallo liebe Leser,
zunächst wünsche ich Ihnen ein gesundes, neues 2012, mögen alle Ihre Wünsche in Erfüllung gehen!
Das neue Jahr starte ich mit meinen kleinen Bericht eines Erlebnisses, welches ich 1991 nach meiner damaligen Herz-OP hatte. Auf der Intensiv-Station musste ich wegen einiger Komplikationen und zur intensiven Überwachung länger verweilen, als geplant. Das war zweifelsfrei nervig, doch fast noch mehr an den Nerven haben die vielen Geräusche gezerrt.
- Das Blutdruckmessgerät, welches automatisch in festen Zeitabständen meinen Blutdruck analysierte, pumpte sich mit einen dröhnendem Brummen auf und quittierte die Ergebnisse mit einem schrillen Piepton.
- Aus dem Stationszimmer ertönte in unregelmäßigen Abständen die Patienten-Klingel der anderen Intensiv-Patienten.
- Das EKG-Gerät piepte im Rhythmus meines Herzens unmittelbar neben meinem Bett.
- Wenn bei mir oder einem anderem Patienten die Infusionen leer waren, machten die Geräte sich mit einem lauten Piepton auf sich aufmerksam.
…da klang das Klingeln des Stationstelefons eher angenehm, auch wenn es aus heutiger Sicht ungewohnt wäre, denn es war ein kabelgebundenes Telefon mit Wählscheibe. 20 Jahre her…
Nach ca. 6 Tagen war mein Genesungszustand weit genug fortgeschritten und man fuhr mich von der Intensiv-Station endlich auf eine normale Kardiologie – Station. Dort angekommen, konnte ich die plötzliche Ruhe kaum fassen – ich lag in einem Einzelzimmer.
Kein klingeln, brummen oder piepsen – Herrlich! Und besser ging es mir auch – das Leben hat mich wieder! …doch was tickt denn hier so? Ich sah mich, soweit es die noch eingeschränkten Bewegungen zuließen, um. Keine Uhr weit und breit, die Nachttischschublade war fast leer und auch sonst nichts zu sehen, was das ominöse Ticken hätte erklären können. Egal, ich ignorierte es.
Vergebens! Das Ticken hörte einfach nicht auf! Es hat mich so genervt, das ich fast vergass, das ich meine Blase mal entleeren sollte. Zum Glück durfte ich aufstehen, wenn auch nur mit der Hilfe des Krankenhaus-Personals. Also machte ich Lärm und ließ im Stationszimmer die Klingel schellen. Mit Hilfe einer netten Krankenschwester wurde ich ins Badezimmer begleitet. Tür zu! …höre ich richtig? Es tickt immer noch – und eher noch lauter! Nun begriff ich erst, das ICH es war, der da so nervig tickte – es war (und ist) meine damals nagelneue Aorten-Klappe. Frisch operiert und von den Fliesen im Bad akustisch verstärkt, verstand ich in diesem Moment, das diesen Ticken ab sofort zu meinem Leben dazu gehören würde.
Zurück im Bett habe ich dann sehr aufmerksam zugehört und fand es schön, das es keine hörbaren Aussetzer oder sonstige Unregelmäßigkeiten gab. Das beruhigte mich und ich beschloss, das ich das Geräusch der Herzklappe ab sofort nicht als nervig, sondern als Musik empfinden wollen würde. Es klang GUT!
Ok, auf Dauer ist das Ticken dann aber doch langweilig und mit Musik hat es dann auch wenig zutun – keine Melodie, kein Refrain, keine Gesang,… da erblickte ich, das die Klingel mit einem kleinem Radio kombiniert war. Also kramte ich meine Ohrhörer raus und stöpselte sie in das Gerät. Mal sehen, ob ich hier einen Sender empfangen kann. Und tatsächlich: Rod Steward sang “every beat of my heart”! Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl! Auch wenn es in seinem Song nicht im Entferntesten um Herzklappen, kardiologischen Problemen oder dem Marfan-Syndrom geht – seit diesem Moment denke ich immer an den ersten Tag auf der kardiologischen Station nach meiner ersten Herz OP. Danke, Rod!
Hey
Ich muss das jetzt einfach kommentieren. Musste wirklich lachen als ich das jetzt grad gelesen habe ^^
Mein “Ticken” ist mir, trotz der Nebengeräusche auf der Intensivstation, schon am ersten Tag nach der OP aufgefallen. Es hat mich so gestört dass ich monatelang nur mit MP3 Player einschlafen konnte um dieses Geräusch zu übertönen.
Es gab aber auch zwei sehr lustige Erlebnisse
1. dachte meine Freundin (die ich das letzte mal vor der OP gesehen hatte) ich hätte eine Bombe wo versteckt *gg* Nein, sie hat überall in ihrer kleinen Wohnung nach der viel zu laut tickenden Uhr gesucht aber nichts gefunden. Dann verstand sie dass es von mir kam und hat mich gefragt ob ich eine Uhr hab. Ich sagte nein *gg* Irgendwann hab ich es ihr dann doch gesagt weil sie schon dachte sie sei verrückt geworden
2. In der Handelsschule: ich saß in der ersten Reihe und es war ziemlich ruhig. Da ich extrem schlank bin und auch nur ein kurzes T-shirt anhatte, war das Ticken sehr gut zu hören. Plötzlich sieht meine Lehrerin sich fragend um. Irgendwann kam sie dann drauf, dass ich ein ziemlich nerviges Geräusch mache. Sie dachte ich würd irgendwo mit meinen Fingernägeln dagegn trommeln oder so. Sie hat mich ganz böse ermaht ich solle damit aufhören. Ich wusste zuerst gar nicht was sie meint. Dann hab ich es verstanden und sie angelacht. Sie wurde noch viel wütender und wollte mir schon irgendeine Strafarbeit geben als ich sagte. “Es tut mir leid aber damit kann ich nicht aufhören.” *gg* Letzendlich hab ich es dann aufgeklärt aber sie glaubte mir anfangs gar nicht. Das war echt genial.
Ja, mit so einer Herzklappe kann man was erleben
Alles liebe
Nina