Gesundheitsverschlechterung durch verzögerte Hilfsmittelversorgung

Am 20. Februar 2007 von Suse geschrieben.

Wenn besondere Hilfsmittel verschrieben werden, die z.B. nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen festgeschrieben sind, ist es die Aufgabe des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) Preis und Verhältnismäßigkeit zu prüfen, bevor ein Hilfsmittel von den Krankenkassen übernommen wird. Das soll die Gesundheitskosten senken. Manchmal erhöht es die Kosten, z.B. wenn ein dringend benötigtes, medizinisch anerkanntes Hilfsmittel erst nach vielen Wochen genehmigt wird…Wie seid vergangenem Herbst an dieser Stelle (Kategorie Erlebnisse) mehrfach berichtet, wurde meinem Sohn, der seit über 8 Jahren wegen einer Marfan-Skoliose 23 Stunden täglich ein Korsett tragen muss, ein neues Korsett verschrieben, da er aus dem alten herausgewachsen war. Das alte ließ sich schon nicht mehr ordnungsgemäß schließen und drückte ihn in eine etwa 10° krummere Position als ohne Korsett (röntgenologisch abgesichtert). Es musste also dringend ein neues angepasst werden. Mehr als 5 Wochen dauerte es bis überhaupt ein Bescheid vom MDK kam – abgelehnt, 400 Euro zu teuer. Der Orthopädietechniker müsse im Preis runtergehen oder detailliert darlegen warum er diesen Betrag bräuchte, damit sie ein neues Gutachten schreiben könnten. Da zeichnete sich schon längst eine Verschlechterung der Skoliose ab, es kam eine Seitenrotation dazu, die Kielbrust drückte sich weiter heraus und das Kind konnte sich vor Schmerz schon nicht mehr aufrichten. Mehrfach rief ich bei der Krankenkasse an, schilderte die mit bloßen Auge erkennbare Verschlimmerung , bot an den Jungen vorzustellen nur damit endlich was geschähe und fragte, was ich sonst tun könne um das Procedere zu beschleunigen. Man verstehe die Problematik, man könne nichts weiter tun war die Auskunft. Ich kürze mal ab: Nach 8 ½ Wochen hatte mein Sohn sein neues Korsett.

Das Korsett ist eingetragen, wurde sogar schon vor 3 Wochen aufgepolstert und heute kam die Stunde der Wahrheit: Termin zum Röntgen. Es bewahrheitete sich, was ich im Prinzip schon vorher wusste: Auch wenn das neue Korsett schon eine Aufrichtung bewirkt hat, so sind es dennoch 10° mehr als im Herbst. Der Orthopäde ist zuversichtlich, dass man noch das eine oder andere Grad wird rausholen können, aber man würde das Korsett in nächster Zeit häufiger verändern müssen. Wahrscheinlich werde man dadurch, dass man jetzt erstmal die Verschlechterung aufholen müsse ein Korsett mehr brauchen als man sonst benötigt hätte.

Fazit: Man wollte 400 Euro sparen und muss nun ein vielfaches dessen aufwenden, um den entstandenen Schaden soweit als möglich zu minimieren. Und das ist nur der finanzielle Aspekt, die Belastung für das Gesundheitssystem. Hinzu kommt, dass es sich hier um die Behandlung eines Menschen handelt und nicht um eine Sache. Folge dieser Verschlimmerung der Wirbelsäulenverkrümmung ist mindestens eine Zunahme an Schmerzen, mit Pech auch Folgeschäden.

Nachtrag am 08.03.07:
Von ärztlicher Seite wurde inzwischen der Verdacht geäußert, dass auch die Zunahme der Atembeschwerden auf diese massive Skolioseverschlechterung zurück zu führen ist. Um dem entgegen zu wirken und  z.B. das Festsetzten von Infektionen zu verhindern sei verstärkt Atemtherapie zu empfehlen, hieß es - dies nochmal zur Kostenreduzierung!

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