15 Jahre Herz Operationen

Am 30. September 2006 von Kasi geschrieben.

Man schrieb das Jahr 1991. Damals betrug der Durchmesser meiner Aorta mal eben fast 9 cm (Neun Zentimeter)… Das sollte dann schon recht flott gehen, denn wenn das erst mal reisst, ist man dem Tod recht nahe… So bekam ich damals eine künstliche Herzklappe und ein Teil der absteigenden Aorta wurde ebenfalls ersetzt. Vor der Op hatte ich keinerlei Schmerzen oder Beschwerden – nur die Gewissheit, das man da schnell opererieren müsse. Es ist sicher ungewöhnlich, mit 21 Jahren, Sterbensangst zu haben, oder?Die OP verlief wohl relativ hakelig und es gab wohl einige Schwierigkeiten, denn das Gewebe eines Marfan Patienten ist halt nicht so stabil. Etwa 5 Tage lag ich auf der Intensivstation und erholte mich sehr langsam. Aufstehen? Nichts da! Essen? Sehr wenig! Stattdessen jede Menge Kabel, Schläuche und diverse Gerätschaften um mich herum. Es piepte, pumpte, ratterte… Und die Neonlampen an der Decke brannten auf der Netzhaut…. Dann endlich auf die normale Station und nach etwa einer Woche zu 5 wöchigen Reha… Alles im Allem: Viel Schmerzen, ich fühlte mich sehr schwach und die Genesung verlief sehr schleppend. Doch ich wurde dann doch wieder fit und konnte mit dem neuen Klappern in der Brust meinem Beruf wieder aufnehmen.Es vergingen etwa 15 Jahre…

Herbst 2005. Man sollte sich mal Gedanken machen, ob man nicht den Mitralklappenprolaps operativ beheben sollte – war die Ansage der Kardiologin. Ups, da war es wieder: Angst, Schmerzen, obwohl gar nichts weh tat… Grrr, was nun? Eines war aber entscheidend anders als 1991: Ich war Mitglied der Marfan Hilfe und habe seitdem einige nette Menschen kennenlernen dürfen, die mir halfen, die recht schwere Zeit bis zur OP vernünftig zu überstehen. Nun hiess es, einige wichtige Fragen zu beantworten: Wo und von wem opererieren lassen? Welche OP – Methode ist die Beste für mich? und, und…

Februar 2006. Die OP stand an. Meine Frau brachte mich ins Krankenhaus. Am nächsten Tag sollte es schon losgehen. Ich hatte Angst und wollte am Liebsten nach Hause, denn auch hier wieder: Keine Schmerzen oder Beschwerden, nur die Gewissheit, das sollte man operieren, denn sonst könne es kritisch werden!

Am Tag nach der OP war ich wach und sollte auf der Bettkante sitzen! Ich bekam zu essen! Besuch (nicht vermummt) bekam ich… HÄ??? Wo sind die massiven Schmerzen, wo die extrem vielen Kabel und Schläuche?? Nichts davon grossartig zu sehen! Ok, die Brust tat weh, schließlich hatte man das Brustbein auftrennen müssen, aber ansonsten ging es mir erstaunlich gut. Ich konnte mich normal unterhalten, die Stimme war noch leise, aber gut verständlich, wie mein Besuch mir verriet. Nach zwei Tagen kam ich auf “Zwischenintensiv”, dann auf eine Normalstation, dann 4 Wochen Reha, die ich gar nicht hätte nehmen müssen… Schon während der Reha hätte ich ansatzweise wieder arbeiten könne, wenn ich es hätte gewollt.

Fazit: 15 Jahre sind in der Medizin sehr viel und es hat sich Einiges zum Besseren gewandelt. Die OP – Methoden sind – so habe ich es empfunden – erheblich schonender geworden und die Genesung verlief erheblich schneller. Ok, die OP 1991 war auch heftiger und mit mehr Risiken verbunden, doch vieles, was “drumherum” war, war eindeutig besser und angenehmer. Ich möchte JEDEM Mut machen, der eine Herz OP vor sich hat, sich GUT zu informieren. Das hilft schon ungemein. Nicht das ich scharf drauf bin, aber was wohl in 15 Jahren so alles möglich ist und ob es sich dann noch lohnt, darüber zu schreiben?

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