Leser unseres Blog wissen, das ich 2007 von dem damals neuen Handy des Kult-Herstellers Apple geschrieben habe. Damals lobte ich die barrierearme Gestaltung der Software, die auf dem iPhone läuft. Neben Schriftgrößen, Farben und anderen Dingen bemerkte ich, das es – obwohl es in der Presse häufig kritisiert wurde – auch für behinderte Menschen gut geeignet sei.
Inzwischen schreiben wir das Jahr 2009 und das Kult-Handy befindet sich inzwischen in der dritten Generation. Bevor nun alle meckern, ich würde hier Werbung für das Apple-Handy machen, dem sei vorgewarnt. Seit etwa 3 Monaten besitze ich ein iPhone, welches auch als Volksphone betitelt wird. Ich möchte hier einmal die Vor- und Nachteile des iPhone im Hinblick auf die Nutzung aus meiner Sicht als Marfan-Patient beschreiben.
Fehlt die Tastatur?
Touchscreen – Handy werden häufig ohne die manchmal wackeligen Plastik-Tasten bedient. Wenn man zum Beispiel eine Telefonnummer tippen will, eine SMS schreiben oder in der Kontaktliste Daten ändern möchte, ercheint auf dem Display eine “virtuelle Tastatur”. Diese Tastaturen sind – zumindest beim iPhone – für schmale Marfanhände gut geeignet und lassen sich gut bedienen. Wer sein Handy im Querformat bedient, hat dann sogar noch größere Tasten, die man auch mit “Wurstfingern” gut treffen kann.
Voraussetzung für die Benutzung der Tastatur ist jedoch, das man sie sehen kann. Sehr stark sehbehinderte Menschen oder Blinde haben mit der virtuellen Tastatur keine Chance. Wer blind ist, muss sich auf seinen Tastsinn verlassen und ist zurzeit mit einem Handy, welches über eine echte Tastatur verfügt, sicher besser bedient. …dank Brainport könnte ich dies aber irgendwan ändern.
Positiv dagegen ist die Sprachsteuerung, über die das aktuelle iPhone verfügt. Einmal die “Home”- Taste gedrückt halten und schon kann man mit der eigenen Stimme die wichtigsten Befehle des Telefons bedienen. Wenn man zum Beispiel im Adressbuch den Kontakt “Marfan Hilfe” hat, würde man sagen “Ruf Marfan Hilfe”. Sofort erkennt das Telefon die dazugehörige Telefonnummer und wählt diese. Desweiteren kann man über die Sprachsteuerung Musiktitel starten, die Wiedergabe pausieren oder auch nach dem Titel des Musikstückes fragen. Besonders schön finde ich, das man sein iPhone an seine Stimme nicht erst anpassen muss oder so – es funktionierte beim ersten Versuch tadellos. Mein iPhone gehorcht mir aufs Wort
Die Sprachsteuerung kann also Blinden und sehbehinderten Menschen helfen, einige Funktionen zu nutzen. Doch was ist mit den Menschen, die eine schwächere Sehschwäche haben. Auch da gibt es eine Reihe an sinnvollen Funktionen. Unter dem “Bedienungshilfen” bietet das iPhone die “Zoomen” – Funktion. Einmal eingeschaltet, kann man mit einem “3-Finger-Doppelklick” den aktuellen Bildschirm-Inhalt erheblich vergrößert sehen. Diese Funktion habe ich oft schon benutzt, wenn ich Bus- oder Zugverbindungen online einsehen will.
Die zweite Funktion nennt sich Voiceover. Mit dieser etwas gewöhnungsbedürftigen Funktion werden sämtliche Inhalte auf dem Bildschirm wie bei einem Braille-Gerät vorgelesen. Wie weit diese Funktion sinnvoll ist, hat sich mir nicht erschlossen, da man die Inhalte, die man vorgelesen haben möchte, auswählen muss. Aber die Sprachverständlichkeit ist erstaunlich gut.
Fazit:
Ich denke, das iPhone hat sehr sinnvolle und gut funktionierende Features an Board, die es dem Marfan-Patienten und jedem mehr oder weniger behindertem Menschen erlaubt, ein angenehmes Leben mit dem Handy zu gestalten. Zweifelsfrei gibt es jede Menge andere Mobiltelefone, die ähnliche Funktionen bieten, dazu gehören allerdings nicht meine 3 Handys, die ich seit dem Jahre 2000 genutzt habe.